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Erster
Tag:
Es
schneit leicht als ich losfahre um 1.30 Uhr morgens – die Reise
geht los. Gestern hatte ich alles im Wagen verstaut, ungefähr 600
kg Trockenfutter, Medikamente, Spritzen und warme Decken. Alles
Spenden vom Tierheim Olpe. Ich hoffe, an der Grenze keine
Schwierigkeiten zu bekommen, da ich für das Futter, solange Ungarn
nicht in der EU ist, keine Einfuhrgenehmigung bekomme. Als ich in
Meinerzhagen in Richtung Frankfurt auf die Autobahn fahre, bin ich
in Gedanken schon im Tierheim Székesfehérvár-Ungarn. Nach dem
Anruf von Gyöngyi, der Tierheimleiterin, vor drei Tagen, mit der
Nachricht, dass das Futter ausgehe und bittere Kälte herrsche, habe
ich mich zu dieser Sonderfahrt entschlossen.
Abfahrt
Olpe Süd, am Tierheim Olpe steigt mein Freund und Beifahrer,
Andreas Stellbrink zu. Er ist zum ersten Mal dabei und hat natürlich
viele Fragen. Schnell vergeht die Zeit da wir eine angeregte
Unterhaltung über das führen was ihn erwartet. 1240 km – viel
Zeit zum Nachdenken, was man alles machen könnte, um die Zustände
im dortigen Tierheim einigermaßen erträglich zu gestalten. Meine
Gedanken sind bei den Kettenhunden. Wie werden Sie mit der Kälte
fertig? Leider haben wir
keine Möglichkeit, die 1800 Hunde, die im Jahr im Tierheim
auflaufen, alle in Hundehäusern unterzubringen. So muß ein großer
Teil der Hunde draußen an der Kette liegen, im Winter bei 20°
minus und mehr. Es fehlen wetterfest Hütten, Unterkünfte und warme
Decken.
12.30
Uhr mittags: Grenzübergang Hegyeshalom-Ungarn, dass Zittern
beginnt. Glück gehabt, der Zöllner
ist in ein Gespräch mit einer hübschen Kollegin vertieft und winkt
uns ohne zu kontrollieren durch. Bei der Fahrt über Land sehen wir
in vielen Hinterhöfen Hunde an der Kette liegen. In einem Land, in
dem wirtschaftliche Not herrscht, ist für die Tiere meist nichts
mehr übrig. Sie liegen an der Kette,
wenn sie Glück haben, haben sie eine Hütte oder eine alte
Regentonne zum Schutz gegen die Witterung. Aber meist fehlt auch
dies. 14.30 Uhr, wir kommen im Tierheim an. Alles ist düster und
grau, Schwaden aus Qualm von den vielen Holzöfen der Häuser ziehen
durch die Luft. Tünde, eine der Tierpflegerinnen, begrüßt uns und
öffnet das Tor. Lautes Hundegebell empfängt uns. Beim Einfahren
werfe ich einen kurzen Blick in Richtung der Kettenhunde. Wer ist
noch da von den schwachen und kranken Hunden und wie ist der
Zustand? Nach kurzem Gespräch und dem Ausladen der mitgebrachten
Sachen, verschaffe ich mir erst mal einen Überblick über die
Situation. 240 Hunde und 60 Katzen sind im Moment im Tierheim Székesfehérvár.
Gut, das wir gefahren sind. Seit zwei Tagen haben nur noch die alten
und schwachen Hunde etwas zu fressen bekommen. Die Futtervorräte
waren aufgebraucht und es gab kein Geld für den Kauf von neuem. Die
versprochene finanzielle Hilfe der Stadt ist bisher ausgeblieben.
Der tägliche Kampf ums Überleben ist hier real. Ich gehe an den
Hundehäusern entlang und werde trotz der grimmigen Kälte von
vielen Hunden freudig begrüßt. Andreas und ich haben so manches
Leckerchen in der Tasche die wir großzügig verteilen. In der
Futterkücke, einem unbeheiztem Raum, in einem der abbruchreifen
Lagerhäuser, füllt man schon das mitgebracht Futter in Näpfe. Es
wird gestreckt mit heißem Wasser und Knochenbrühe. An den
Gesichtern der Mitarbeiter sehe ich, dass auch ihnen die Kälte
schwer zu schaffen macht. Wann immer möglich, bringe ich auch ihnen
warme Sachen mit. Die wirtschaftliche Not ist in dieser Region
besonders schlimm. Ein Tierheimarbeiter verdient hier umgerechnet
200 € im Monat. Das
reicht gerade mal für die Miete und das Essen. Für ein paar warme
Winterstiefel ist da kein Geld übrig. So wie bei Joschi, unserem
Tierpfleger, der immer gut gelaunt im Sommer wie im Winter mit
ausgefransten, löcherigen Turnschuhen rumläuft. Auch heute, wo
Schnee liegt. Es ist Abend, ich bin wie immer viel herumgelaufen und
habe in viele Hundeaugen geschaut. Es waren ängstliche, kranke,
fragende, liebe und verzweifelte Augen dabei. Auch Augen von Tieren
die sich aufgeben haben. Doch bei allen habe ich die Bitte gesehen:
Hilf uns! Die Lage ist katastrophal. Das Tierheim ist wie immer übervoll
und die Quarantäne platzt aus allen Nähten. Für viele dieser
Tiere ist der Winter ein Todesurteil, denn immer wenn neue Tiere
eintreffen, müssen andere den geschützten Platz der Quarantäne
verlassen und kommen entweder an die Kette oder in die Hundehäuser
wo sie ungeschützt der Witterung ausgesetzt sind. Die finanzielle
Situation bewegt sich stets am Abgrund, da das Tierheim nur in
geringem Maß staatlich unterstützt wird und diese Unterstützung
nicht einmal für das Futter reicht. Kranke Tiere können nur vor
Ort von den Mitarbeitern selbst versorgt werden, weil für einen
Tierarzt kein Geld da ist. Hunde, die eine Operation benötigen, müssen
getötet werden. 20.00 Uhr, müde und erschöpft verlassen Andreas
und ich das Tierheim und fahren in eine nahe gelegene Pension zum übernachten.
Zweiter
Tag:
Ehemalige
TÖTUNGSSTATION BAYA
Nach
dem Frühstück brechen wir auf nach Baja, einer Stadt mit 30.000
Einwohnern in der Nähe der ehemaligen jugoslawischen Grenze. Dort
in Baja wollen wir Hunde aus der staatlichen Tötungsanstalt
befreien. Nach 160 Kilometern über Land erreichen wir die Stadt.
Bei unserer Abfahrt in Székesfehérvár hatten wir uns für heute
um 10.00 Uhr bei Herrn
Dr. Sulyok, einem dort praktizierenden Tierarzt und Tierschützer
angemeldet, um mit ihm zusammen in die Tötungsstation zu fahren. Tötungsstationen
gibt es in Ungarn viele, hier werden mit staatlicher Zustimmung
streunende und herrenlose Tiere kaserniert, Fundtiere werden nach
ungarischem Gesetz 10 Tage aufbewahrt und sollte sich ihr Besitzer
nicht melden danach getötet. Ebenso die zahlreichen Abgabetiere, an
denen der Besitzer wegen Alter oder Krankheit kein Interesse mehr
hat. Zusammen mit Dr. Sulyok fahren wir zur außerhalb der Stadt
gelegenen Anlage. Ringsherum eine große Mauer, die vor neugierigen
Blicken schützen soll. Innen sechs Zwinger notdürftig aus rostigen
Baustahlmatten zusammengeschweißt, 2,50 x 2,50 Meter und 80 cm hoch
sind die einzelnen Zwinger. 14 Hunde sind dort momentan
untergebracht, 2 Rottweiler, 1 Schäferhund, mehrere Dackel und der
Rest kleine lustige Mischlinge. Diese Tiere waren zum Töten
bestimmt, weil niemand auf der Welt sie mehr haben wollte. Wir
lassen sie von Dr. Sulyok untersuchen und impfen und verladen sie in
unser Auto, um sie nach Székesfehérvár ins Tierheim mitzunehmen.
Die Tiere sind nervös und aufgeregt, lassen sich aber anfassen und
behandeln. Ich habe das Gefühl, dass sie ahnen, dass wir ihnen
nichts Böses wollen sondern ihnen helfen. Nach sieben Stunden und
320 Kilometern sind wir wieder im Tierheim. Bei unserem Eintreffen
kommt uns Gyöngyi entgegen. Sie stöhnt als sie von den vielen
Hunden hört. Aber nur kurz, dann sagt sie:“ Egal wohin, alles
besser als in Baja.“ Gyöngyi, die gestern nicht da war, weil sie
eine Fortbildung besuchte, informiert uns über die Neuigkeiten im
Tierheim und der Stadt Székesfehévár in Sachen Tierschutz.
Manchmal denke ich, sie schämt sich wegen der Zustände in Ungarn.
Besonders, wenn sie unseren Erzählungen lauscht, über die gute
Unterbringung der Tiere in den deutschen Tierheimen. Denn in Ungarn
selbst ist die Einstellung vieler Leute zum Tierschutz noch nicht
gewachsen. Jedes Schaf, jede Kuh oder jedes Reitpferd bedeutet
vielen Menschen mehr als ein Hund oder eine Katze. Wieder ist es
abend, wir besprechen noch schnell welche Hunde wir am nächsten Tag
mitnehmen werden, dann fahren wir zum Übernachten in unsere
Pension.
Dritter
Tag:
Um
7.30 Uhr sind wir wieder im Tierheim und verladen die ausgesuchten
Hunde. Da sind Vöröszi,
Betyar, Vivi, Morgo, Luna, Mambo, Viktor und Sissi. 8 Hunde, die
nicht mehr vom Verhungern oder Erfrieren bedroht sind, sondern bald
ein schönes Zuhause in Deutschland bekommen werden. Beim Verladen
der Tiere fragt Andreas nach einem halbverhungerten Labrador
Retrievermischling, den er gestern in einem der Hundehäuser gesehen
hat. Ich frage Gyöngyi und nach einigem Suchen finden wir diesen
Hund dann endlich zusammengekauert in einem Winkel der Hundehäuser.
Er hatte sich zum Sterben verkrochen. Ein Blick zu Gyöngyi, die
kurz überlegt und mir stumm zunickt. Ein Blick zu Andreas, da wir
in den Transportboxen keinen Platz mehr haben. Auch er nickt.
Janosch kommt mit – auf seinem Schoß. Nach 13 Stunden Fahrt mit
mehreren Pausen, in denen wir die Hunde versorgen, kommen wir abends
um 22.00 Uhr im Tierheim Olpe an. Wir hatten nicht gedacht, das
Janosch die Reise überlebt.
Schnell
werden die Hunde von Sandra und Peter (ehrenamtlichen Mitarbeitern
des Tierheimes Olpe) in ihre mit warmen Decken und Futter
ausgestatteten Zwinger gebracht. Ich stelle die Hunde Sandra kurz
vor und übergebe die Impfpässe. Müde und erschöpft fahre ich
nach Hause. Ich freue mich auf das Wiedersehen mit meiner Frau und
unseren 5 Hunden. Beim Einschlafen laufen die Bilder der letzten 3
Tag vor meinen Augen ab. Wir haben nicht alle retten können aber
einige. Und in zwei Wochen geht es wieder los.
Ach
so und was ich noch erwähnen wollte, Janosch durfte bei Andreas und
Elke Stellbrink zuhause bleiben, wurde dort gesund gepflegt und hat
dort jetzt ein wunderbares Zuhause gefunden.
Interessengemeinschaft
Grenzenlos
Wolfgang
Stephanow
Telefon:
02267-9704
Stephanow@t-online.de
An
alle Leser richten wir unsere Bitte: Wir brauchen dringend Menschen,
die eine weitere Arbeit ermöglichen
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und Beifahrer für Futter- und
Tiertransporte
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durch Ausrüstung und Medikamente
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durch regelmäßige Geldspenden
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Hilfe
für die Tiere aus Ungarn, damit im Winter keine Tiere
erfrieren und verhungern.
Spendenkonto:
Sonderkonto des Tierschutzvereins Olpe
Kontonummer:
05 319 730 01
Bei
der Dresdner Bank Gummersbach BLZ 370 800 40
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Wolfgang Stephanow beim
ausladen der Hilfsgüter

Kettenhund bei minus 10
Grad zum Tode verurteilt
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Tierheimgebäude
Szekesfehervar

Eingang
"Katzenhaus"
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Liebe und traurige Augen
bitten um Hilfe

Portal der Tötungsanlage
der Stadt Baya

Zum Tod verurteilt !!!

Im Käfig
eingesperrt
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völlig verwahrlost - wer
soll das verstehen

Janosch - die Reise ins
Glück

Helft
uns !!!
Bitte
!!!
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